Historie

 

Kaum eine Vereinigung in unserer Gesellschaft kann auf eine so lange Tradition zurückblicken wie die historischen Schützenvereine und -bruderschaften. Mancherorts wurden sie bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts erwähnt. Als älteste deutsche Schützengesellschaft gilt die Aachener Karlsschützengilde, die auf das Jahr 799 zurückgeht und 1198 erstmals schriftlich erwähnt wurde. Das Schützenwesen entwickelte sich mit dem Aufblühen der Städte und Siedlungen aus dem Sicherheitsbedürfnis der Bürger udn Kaufleute heraus. Um sich in dieser unruhigen Zeit gegen mordende und plündernde Banden zu schützen, gründete man zur Verteidigung der Städte sogenannte Bürgerwehren. Als Waffen kamen zunächst vor allem Armbrust und Bogen, später auch Gewehre zum Einsatz. (Schützenmuseum in Coburg / www.schloss-callenberg.de)

Das Schützenwesen in Deutschland geht bis in die Zeit des 14./15. Jahrhunderts zurück. Historiker behaupten, daß es ein goldenes Zeitalter für das Schützenwesen war; denn in nahezu allen größeren Städten gab man sich Mühe, prunkvolle Schützenfeste auszurichten. Aus dieser Zeit resultiert das Freischießen, welches zu einer Prestigeangelegenheit der Bürgerschaft wurde. Wer Waffen führte und Wettspiele betreiben konnte, galt als frei und unabhängig.

In Norddeutschland wurde das Schießen auf den Holzadler bevorzugt, wogegen in Süddeutschland schon im 15. Jahrhundert die Holzscheibe gebräuchlich war. Soweit bekannt, fand im Jahr 1424 in Augsburg das erste Scheibenschießen statt. Das kreisrunde Ziel wurde wohl deshalb gewählt, da mit entsprechenden Hilfsmitteln die Treffer zum Scheibenmittelpunkt genauer ermittelt werden konnten. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begann man die Scheibe entsprechend zu markieren und mit Ringkreisen zu versehen, wobei die Mitte der Scheibe oftmals durch einen Nagel gekennzeichnet wurde. Der Spruch "Den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben" wird wohl aus der damaligen Zeit stammen.

Die Schützentradition im Kreis Herford reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Zeugen dieses alten Brauchtums sind die Schützengesellschaft zu Herford von 1832 e.V., die Bünder Schützengesellschaft von 1838 e.V., die Schützengilde von 1862 Vlotho e.V., der Schützenverein Uffeln von 1889 e.V und die im gleichen Jahr gegründete Schützengesellschaft Enger v. 1889 e.V.. Die Gründung der anderen Schützengesellschaften und -vereine setzt sich dann Anfang des 20. Jahrhunderts im Jahre 1902 mit der Schützengesellschaft Ennigloh und dem SV Melbergen fort. Der jüngste Verein im Schützenkreis ist der 1958 gegründete SV Dreyen.

Im Jahr 1953 wurde der Schützenkreis Herford ins Leben gerufen.

Erster Kreisvorsitzender war Wilhelm Töller (SG Herford) von 1953 bis 1963. Ihm folgte der für uns unvergessenen Schützenkamerad Helmut Wellhöner (SV Hfd.-Radewig), der bis 1979 den Schützenkreis Herford erfolgreich führte. Im Jahr 1979 wurde einstimmige der seit 1978 im Kreisvorstand tätige Schützenbruder Klaus Föste zum Kreisvorsitzenden gewählt. Ehrenvorsitzende waren Wilhelm Klingenberg und Helmut Wellhöner. Die Sportleitung lag bis 1956 in den Händen von Wilhelm Harland (SV Hfd.-Radewig). Von 1956 bis 1983 wurde die Sportleitung durch den legendären Helmut Hoppstädter vom SV Herford-Radewig wahrgenommen. So konnte er z.B. am 23.04.1960 bekannt geben, daß im Schützenkreis Herford insgesamt 39 Vereine mit 979 Sportschützen an den Wettkämpfen beteiligt seien. 1976 waren 6136 Mitglieder gemeldet, davon 1391 aktive Schützen, 431 Junioren und Jugendliche. Im Jahr 1983 übernahm Horst Kirste (SG Löhne-Bahnhof) die Sportleitung bis 1989. Ihm folgte Schützenbruder Dieter Adam vom SV Schweicheln, der bis 2004 erfolgreich den Schießsport im SK Herford leitete. Als seine Nachfolgerin wurde die Schützenschwester Frauke Opitz vom SV Oldinghausen in das Amt gewählt.

Im Jahr 1968 verließen der SV Rehme und der SV Dehme den SK Herford und wechselten in den SK Minden. Im SK Herford waren damit noch 35 Vereine. 1969 erfolgte die Aufnahme des Polizeisportvereins Herford. Im Jahr 1973 wechseln aus finanziellen Gründen die Schützenvereine Eidinghausen und Babenhausen in den SK Minden. 1974 konnte als neues Mitglied der Postsportverein begrüßt werden. Weiterhin kam durch Umstruktuierung der SV Uffeln von 1889 in den SK Herford. Im Jahr 2004 befinden sich 37 Vereine unter dem Dach des Schützenkreises. Als jüngstes Mitglied ist der Verein Bogensport-Ost-Westfalia mit Sitz in Löhne zum SK Herford gekommen.

Der Schützenkreis Herford gehört zum Schützenbezirk III Ostwestfalen-Lippe (www. schuetzenbezirk3.de) im Westfälischen Schützenbund (www.wsb-home.de).

Im Jahr 1965 wurde erstmals der Kreisschützenkönig im sportlichen Wettkampf ermittelt. Am 27. Februar 1965 trafen sich die Schützenkönige aus dem Herforder Kreisbereich auf dem Schießstand der Vlothoer Schützengilde, um den Kreisschützenkönig auszuschießen. 26 Majestäten waren an diesem Sonnabend dem Ruf des Kreisvorstandes gefolgt und stellten sich der Sportleitung, die sich aus den Sportleitern Helmut Hoppstädter, Helmut Kortum und dem 1. Vorsitzenden Helmut Wellhöner zusammensetzte. Die Bedingungen lauteten: 50m Kleinkaliber, 5 Minuten Probeschießen, 5 Schuß liegend Freihand in 7,5 Minuten. Die Gewehre wurden von der SG Enger gestellt. Die sicherste Hand hatte an diesem Tag Werner Gründling vom SV Rehme mit 41 Ringen, gefolgt von Wilhelm Völger, Babbenhausen und Wilhelm Töller von der SG Herford mit jeweils 40 Ringen.

Helmut Wellhöner hob bei der Siegerehrung hervor, der Sinn dieses Wettkampfes liege aber nicht nur auf sportlicher Ebene; wichtiger sei es, daß die Könige einmal im Jahr zusammenkommen und sich kennenlernen. Bereits ein Jahr später wurden die Bedingungen dahingehend geändert, daß 10 Schuß liegend aufgelegt geschossen wurden.

Im Mai 1979 gab es an der Spitze des SK Herford einen Wechsel. Zum Vorsitzenden des SK Herford wurde der Schützenbruder Klaus Föste vom SV Dreyen gewählt. Der langjährige Vorsitzende Helmut Wellhöner hatte den Vorsitz im Bezirk III Ostwestfalen-Lippe übernommen. Zum Kreiskönigsschießen 2004 wurden die bis dahin geltenden Bedingungen geändert. Aufgrund mehrheitlichen Versammlungsbeschlusses wird das Kreiskönigsschießen nunmehr stehend aufgelegt durchgeführt. Die Bedingungen sind auf 10 Wertungsschüsse in 30 Minuten festgelegt worden.

Seit Juni 2004 ist der SK Herford mit eigenen Seiten im Internet vertreten. Der Vorstand ernannte den Schützenbruder Eckhard Lefhalm zum ersten Administrator für das Internetwesen.

Der Schützenkreis Herford war in der Vergangenheit Ausrichter zahlreicher Großveranstaltungen: so fand im Jahr 1973 der Deutsche Schützentag auf heimischem Boden statt. In den Jahren 1965, 1991 und 1999 war der Schützenkreis Herford Ausrichter der Westfälischen Schützentage. 1999 fand mit großartigem Erfolg der 50. Westfälische Schützentag in den Mauern der Hansestadt Herford statt.

Zu diesem Anlaß ist für den Schützenkreis Herford eine Kreisstandarte angeschafft worden.

  

Im Jahr 2005 feiert der Schützenkreis Herford sein 50jähriges Bestehen. Organisatorische Gründe zwangen den Vorstand zur Verlegung der Feierlichkeiten, die eigentlich im Jahr 2003 hätten stattfinden sollen. Das Bild zeigt die Bühne im Stadtpark-Schützenhof Herford beim Kreiskönigsball 2005.

Im Rahmen der Feiern zum 50jährigen Jubiläum fand am 11. Juni 2005 erstmals ein Pokalschießen aller ehemaligen Kreisschützenkönige statt. Zu diesem Anlaß hat der Vorsitzende des SK Herford, Schützenbruder Klaus Föste, einen Wanderpokal gestiftet. Der Pokal wird nach der Teilerwertung ausgeschossen. Mit einem Teiler von 12,6 ging der Pokal erstmalig an Manfred Meyer, Kreisschützenkönig aus dem Jahr 1994. Insgesamt beteiligten sich 17 ehemalige Kreisschützenkönige an der von der SG Mennighüffen ausgerichteten Veranstaltung zu der rd. 100 Gäste erschienen waren. Unter ihnen war der dienstälteste ehem. Kreisschützenkönig von 1972, Heinz Deppe (SV Vlotho-Winterberg) und die älteste aktive Schützin, Hedwig Brünger (SV Oldinghausen) - sie war Kreisschützenkönig im Jahr 1995.

Nach 23 Jahren im Amt des stv. Kreisvorsitzenden wurde unser Schützenbruder DIETER LEHMANN (SV Vlotho-Winterberg) am 07. Mai 2007 feierlich verabschiedet.
Dieter Lehmann war seit 1984 stv. Kreisvorsitzender. Unter seiner sachkundigen Mitwirkung wurden die westf. Schützentage im Kreis Herford (1991 Bünde / 1999 Herford) sowie die Kreiskönigsbälle zu den erfolgreichsten Veranstaltungen des Schützenkreises. Mit ihm ist ein sehr engagierter Schützenbruder aus dem Kreisvorstand ausgeschieden.

Die große Schützenfamilie des Kreises Herford hatte im Jahr 2008 einen besonderen Grund zum Feiern. In der Geschichte des Schützenkreises bestieg mit Brigitte Wöhrmann ( SG Obernbeck/SSG Löhne) die dritte Frau den Thron aller Throne. Mit einem Traumergebnis von 97 Ring hatte sie dieses Ziel erreicht und gleichzeitig einen neuen Kreisrekord aufgestellt. Daß die Proklamation als Kreisschützenkönigin 2008 auch noch am Weltfrauentag erfolgte, verlieh dem Ganzen eine besondere Würze und wurde von den rd. 1.000 Gästen in der Bünder Stadthalle mit großem Beifall gefeiert.

Auf dem Kreisdelegiertentag am 07.05.2012 wurde Klaus Föste nach 33 Jahren als Kreisvorsitzender verabschiedet. Er wurde mit dem Kreisteller geehrt.

 

Die SG Obernbeck sowie die SG Mennighüffen haben 2008 den Westfälischen Schützenbund verlassen und sind nicht mehr als Mitglieder im Schützenkreises Herford stimmberechtigt. Beide Gesellschaften sind als selbständige Kompanien in der SSG Löhne vertreten.